Mein Lebenslauf –
er gleicht keiner Straße,
die geradewegs einem Ziel entgegenstrebt.
Eher ist es ein sehr komplexes Muster von Pfaden,
die sich zuweilen überkreuzen oder im Kreis verlaufen.
Vielleicht soll das so sein ?!
Immerhin habe ich in Sackgassen oft besonders schöne
Blumen gefunden !
oder:
Jeder Mensch ist auf der Suche nach dem eigenen Weg im Leben. Jeder möchte gern seinen Beruf, seine Berufung finden. Manchmal kann es sehr lange dauern bis man eine Aufgabe, entsprechend den eigenen Fähigkeiten, gefunden hat. Aufgrund der persönlichen Entwicklung können Schwerpunkte und Tätigkeitsbereiche auch von Zeit zu Zeit wechseln.
Das Leben gleicht einem Mosaik oder Puzzle: es kommt immer noch ein neues Teil hinzu.
Dabei entsteht ein Bild, wie es kein zweites geben kann. Jede Person ist eine einzigartige Schöpfung, die in einer einzigartigen Beziehung zu Gott und den Menschen steht, und eine einzigartige Sicht auf diese Welt besitzt.
Was ist meine Berufung? Was hat sich Gott erdacht, als er mich ins Leben gerufen hat?
Mein Leben ist im Lauf der Zeit immer facettenreicher geworden. Dies spiegelt auch dieser Bericht: mit den Jahren mehren sich ausführlichere Beschreibungen. Und überhaupt: Ich liebe Details – sie machen eine Geschichte schön!
Ich werde am 04.06.1983 in Frankfurt Oder geboren und wachse dort auf. Als Schulkind sind meine Nachmittage oft mit den verschiedensten Aktivitäten gefüllt. Man hat mich dazu eingeladen, oder etwas für mich organisiert; nie entscheide ich mich aus eigenem Antrieb dafür.
Da gibt es z.B. den Handarbeitskreis, wo ich gemeinsam mit anderen Kindern den Umgang mit Nadel und Faden gelehrt bekomme. Als sehr herausfordernd empfinde ich die Besuche der Musikschule. Insgesamt ca. 8 Jahre wird mir dort Blockflötenunterricht erteilt.
Als Jugendliche erhalte ich von meiner Patentante einen Gutschein für die „Malschule“. Ein namhafter Künstler erteilt seinen Schülern dort Unterricht in verschiedenen Techniken wie Aquarell, Acryl und Öl.
Ein anderes Kind hätte die Kreativangebote sicher willkommen geheißen. Mir mangelt es jedoch an Selbstbewusstsein und innerer Ruhe, um mich frei zu entfalten.
Am liebsten sind mir die Zeiten, in denen ich für mich allein sein kann. Dann lese ich gern Abenteuergeschichten oder mache ein Puzzle. Außerdem genieße ich die Ausflüge in den Garten. Fast jedes Wochenende fahre ich mit meinen Eltern dorthin. Es bereitet mir Freude Sträuße aus Wildblumen zu pflücken.
Mit dem Abitur eröffnet sich die Frage nach meinem beruflichen Weg. Aufgrund meiner Liebe zur Natur, entschließe ich mich Biologie zu studieren. Ohne umfangreiche vorherige Recherchen wähle ich den Standort Potsdam. Wie ich feststelle, befindet sich das botanische Institut idealerweise im schönen Park Sanssouci. Ich genieße die neue Freiheit als Studentin. Endlich kann ich mich mit Themen beschäftigen, die mich interessieren. Im Grundstudium müssen dennoch einige Hürden gemeistert werden: die Mathematikvorlesungen oder die Praktika im Chemie-Labor überfordern mich oft. Nach zwei Jahren Pflichtprogramm darf ich im Hauptstudium meinen Stundenplan endlich ohne Einschränkungen zusammenstellen. Entsprechend meiner Neigung nehme ich an diversen botanischen Exkursionen und Seminaren im Fachbereich Vegetationsökologie teil. Ich habe einen guten Blick für die Details pflanzlicher Wuchsformen und kann mir lateinische Namen schnell einprägen.
Mit der Zeit werde ich zunehmend freier im Umgang mit den Kommilitonen. Sicherlich erlebe ich nicht das „fröhliche Studentenleben“ wie manch ein anderer; dazu fehlt mir einfach die Zeit, da die Fülle an Stoff viel Lernfleiß erfordert. Dennoch genieße ich Bekanntschaften und finde Gefallen an privaten Unternehmungen. Auch außerhalb der Universität „strecke“ ich vorsichtig „meine Fühler aus“. Da mir ein ressourcenschonender Umgang und Nachhaltigkeit wichtig sind, schließe ich mich einer Initiative zur Gründung eines Umsonstladens an. Während der vorlesungsfreien Zeit gebe ich meiner künstlerischen Seite Raum und besuche einen Töpferkurs, eine Spinnnwerkstatt, oder streiche das Schlafzimmer meiner Eltern in neuen Farben. Andererseits nutze ich die Semesterferien, um Ausflüge zu unternehmen. Die Bewegung an der frischen Luft, meist mit dem Rad, tut mir gut.
Gegen Ende des Studiums wird die „Sinnfrage“ zunehmend lauter. Ich möchte gern einer Tätigkeit nachgehen, die für Menschen unmittelbar hilfreich ist. Die von den Professoren angebotenen Projektarbeiten sind für mich nicht zufriedenstellend. Die Dialekte des Rotkehlchens in Deutschland sind vielleicht für Liebhaber eine Studie wert, aber ich möchte meine Zeit gern für etwas einsetzen, dass mir nützlich erscheint. Ich bete oft, dass Gott mir zeigen möge, wohin mein Weg führen darf.
Aus dem Wunsch heraus, auch einmal ganz praktisch Dinge zu bewegen, nehme ich Kontakt mit einer Naturschutzschäferin auf. Sie beweidet mit ihren Tieren die Oderhänge nördlich von Frankfurt, auf denen das in Brandenburg seltene Adonisröschen und andere, in ihrem Bestand gefährdete Arten vorkommen. Meist fahre ich einmal in der Woche zum Einsatzort. Dort stecken wir gemeinsam Netze, mähen Wege von Sträuchern frei, schneiden den Tieren ihre Klauen und versorgen sie im Winter mit Heu und Wasser im Stall. Die Arbeiten sind bei meiner zierlichen Statur nicht immer leicht zu bewältigen, dennoch mache ich sie gern. Letztlich werden aus einem geplanten mehrmonatigen Praktikum über zwei Jahre.
Als fleißige Studentin schneide ich Anfang 2010 bei vielen Abschlussprüfungen mit guten und sehr guten Ergebnissen ab. Dennoch: Gute Noten in der Theorie genügen im Allgemeinen nicht, um auch in der Praxis bestehen zu können. Ohne Probleme würde sich wohl eine Anstellung in einem Laborbetrieb finden. Doch molekularbiologische Prozesse oder die wissenschaftliche Untersuchung der Interaktion von Organismen interessieren mich nur bedingt. Ebenso fühle ich mich immer sehr unsicher, wenn ich mit den Geräten eines Labors hantieren muss. Langsam wird mir bewusst, dass die Wahl des Studiums wohl hauptsächlich auf die Faszination für die Schönheit der Natur zurückzuführen ist.
Weil ich keine geeignete Stellenausschreibung finde, beginnt eine abwechslungsreiche Zeit: Ein halbes Jahr verbringe ich als Praktikantin bei der Deutschen Wildtierstiftung im südlichen Mecklenburg. Es folgt eine kurzzeitige Anstellung an der Rostocker Universität, wo ich Keimversuche bei Samen von Ackerwildkräutern durchführe. Im Anschluss reise ich in die Nähe von Darmstadt zu einem Betrieb, der das Saatgut von Wildkräutern vermehrt. Hieraus sollen artenreiche Mischungen für die Flächenbegrünung hergestellt werden. Schließlich erhalte ich einen befristeten Vertrag als wissenschaftliche Hilfskraft in Potsdam, um eine Doktorandin bei der Identifikation von Wildkräutern auf Äckern zu unterstützen. Während dieser Zeit arbeite ich auch an einem Paper für die Veröffentlichung meiner Diplomarbeit in „Science“ einem Wissenschaftsjournal.
Ich finde es bemerkenswert, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten alle ohne zeitliche Unterbrechung aufeinander folgen. Außerdem genieße ich es immer wieder ein neues Umfeld, neue Tätigkeiten und Menschen kennenzulernen. In den christlichen Gemeinden vor Ort werde ich stets herzlich aufgenommen. In zwei Städten habe ich sogar Anschluss an die mir aus meiner Heimatstadt vertraute Hausgemeinde „Hoffnung“.
Trotz meines geringen Einkommens ergeben sich keine Probleme, mein Leben gut bestreiten zu können. Ich erhalte günstige Quartiere bei netten Personen, die mir über den Betrieb oder private Kontakte vermittelt werden. Schließlich bekomme ich noch ein beachtliches Preisgeld für meinen Artikel in „Science“ als wissenschaftliche Nachwuchsautorin. Als die Zeit als Hilfskraft an der Universität beendet ist, ziehe ich wieder bei meinen Eltern ein.
Während der folgenden Monate mache ich mir Gedanken über die Erfolgschancen einer möglichen Selbstständigkeit im Kreativbereich. Aufgrund meiner Liebe zu Blumen kommt mir der Einfall, eine Ausbildung zur Floristin zu beginnen. Die meisten Bekannten, denen ich davon erzähle, reagieren mit Verwunderung, und legen mir nahe, diesen Schritt noch einmal gründlich zu überdenken. Schließlich würde ich als „Blumenbinder“, wie man früher sagte, nichts verdienen. Finanzielle Erwägungen lasse ich bei der Frage der beruflichen Wahl keine durchschlagenden Argumente sein. Das liegt wohl einerseits daran, dass ich keine großen materiellen Wünsche habe, oder von tollen Reisen träume, zum anderen, weil ich ein großes Gottvertrauen an dieser Stelle besitze: Ich bin davon überzeugt, dass ER dafür sorgen wird, dass ich stets alles zur Verfügung haben werde, um gut leben zu können. Außerdem ist meine Sehnsucht sehr stark einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, die ich mit Leidenschaft ausüben kann. Ein Bekannter aus der Gemeinde schreibt mir in dieser Zeit folgenden Satz in einer Email: „Let your passion fuel your decisions“, („Lass deine Passion deine Entscheidungen bestimmen.“). Nach einem Praktikum in einem Blumengeschäft steht mein Entschluss fest, die dreijährige Lehrzeit in Angriff zu nehmen. Es ist gerade Januar, und die Ausbildungen haben schon vor einem halben Jahr begonnen. Glücklicherweise wird es mir aber ermöglicht, sofort als Nachrückerin zu starten. Das Aufholen des theoretischen Stoffs der vergangenen Monate macht mir keine Mühe; im Gegensatz zur Praxis. Niemals hätte ich geahnt, welche Herausforderung mich erwartet. Nach dem Studium glaubte ich, die Lehre mit „links“ zu meistern. Doch in der Floristik sind andere Kompetenzen gefragt: hier stehen praktische Fertigkeiten und Schnelligkeit im Vordergrund. Ich muss einsehen, dass ich eben nicht in allen Bereichen Bestleistungen abliefern kann. Oft sieht mich meine, obendrein noch strenge, Chefin resignierend an, und sagt: „Sie sind doch eine kluge Frau; ich verstehe nicht, dass sie sich so schwer tun.“ Trostreich erlebe ich in dieser Zeit den Rückhalt durch liebe Bekannte aus der Gemeinde und meine Eltern. Gott flüstert mir Emutigungen in stressigen Arbeitsphasen zu: „Christine, Dein eigentlicher Chef bin ich“. Tatsächlich erziele ich Anfang 2015 mit fleißiger Vorbereitung einen guten Abschluss.
Nach der Prüfungsphase habe ich den Eindruck, dass mich Gott mit einer kleinen Auszeit beschenken möchte. Entgegen meinem Vorhaben mich mit Bekannten zu verabreden, schlägt ER mir vor an die Nordsee zu fahren, um dort mit IHM am Strand spazieren zu gehen. Dem Abenteurergeist in mir gefällt dieser Vorschlag, und so erzähle ich meiner Hausgemeinde davon; auch dass mir das Geld dafür fehlt. Gern wird ein Betrag zusammengelegt, von dem ich meinen fünftägigen Norderney-Urlaub bestreiten kann. Seelisch belastende Gedanken, die mich schon seit meiner Jugendphase in Unruhe versetzen, kommen auch auf dieser Reise in mir auf. Dennoch habe ich viele schöne und intensive Gespräche mit IHM. Ebenso geht ER auf meinen Wunsch ein und beschenkt mich mehrfach in dieser Zeit mit einem Regenbogen als Zeichen unserer Freundschaft.
Trotz meiner Schwierigkeiten während der Ausbildung, ist mein Ehrgeiz weitere Kenntnisse in Sachen Floristik zu erwerben ungebrochen. Ich habe das Bedürfnis, nach den drei Jahren Heimataufenthalt wieder das Weite zu suchen. Vorerst muss ich meine Abreise jedoch noch etwas hinauszögern, da meine Mutter schwerwiegend erkrankt ist. Unter diesen Umständen möchte ich vor Ort sein. Von einem Händler für Floristbedarf erfahre ich, dass ein Blumengeschäft aus Frankfurt Oder interessiert ist, mich überbrückungsweise für einige Stunden einzustellen. Dankbar nehme ich das Angebot an und erlebe einige Monate das Kontrastprogramm zu meiner Ausbildungszeit. Der Umgang mit den Kollegen ist kameradschaftlich, die Arbeitsatmosphäre trotz der hohen Auftragslage entspannt. Leider passieren mir auch hier einige Fehler.
Nachdem meine Mutter genesen ist, komme ich zu der Frage zurück an welchen Ort ich gehen soll; oder besser ausgedrückt: gehen darf?! Ich habe den Eindruck, dass mir Gott als Antwort den Freiraum gibt selbst zu entscheiden. Bei einem unweit zurückliegenden Besuch der Lüneburger Heide sind mir die hübschen, aus Fachwerk und Backstein erbauten, Häuser aufgefallen. Darum entscheide ich mich für ein Geschäft in Celle mit einer Dekoration nach meinem Geschmack.
Ein junges Ehepaar aus diesem Ort, dass ich flüchtig bei einer überregionalen Gemeindekonferenz kennengelernt habe, gibt mir einen Wohntipp: Eine ältere Dame würde in ihrem Haus mit kleinem Garten Zimmer an Single-Frauen vermieten. Ich wäge ab: Mit Anfang 30 steht mir der Sinn nach einer eigenen kleinen Wohnung. Andererseits bleiben mir auf diese Weise ein zeitraubender Umzug sowie mögliche Renovierungsarbeiten und Einkäufe für die Neueinrichtung erspart. Die Mietkosten belaufen sich ebenfalls auf einen vergleichsweise geringen Betrag. Außerdem ist für die Charakterschule das Leben in einer WG meist von Vorteil. Mein Votum steht nach einem kurzen Telefonat fest.
Mit Enthusiasmus beginne ich meine Arbeit im Blumengeschäft. Doch auch hier genüge ich den Anforderungen nur teilweise: Immer öfter höre ich die Ansage: „Das muss schneller gehen.“ Die Angst zu versagen, steigert sich immer mehr. Aufwendige und herausfordernde Kundenaufträge überlasse ich darum gern den anderen Angestellten. Trotzdem kämpfe ich weiter. Ich denke: so ist das Leben eben.
Nach anderthalb Jahren entschließe ich mich, während meines Sommerurlaubs ein christliches Seminar zu besuchen. In dieser Zeit begreife ich auf einer viel tieferen Ebene, dass Gott, mein Vater im Himmel, eine Beziehung zu mir bauen möchte, die auf Vertrauen, Liebe und Wertschätzung basiert. Ein bisher unbekanntes Gefühl von Erstaunen und Freude entfaltet sich in meinem Herzen.
Nach diesem Erlebnis kommt in den nächsten Wochen einiges ins Rollen: In mir keimt die Frage auf, ob ich dem täglichen Unbehagen: einem Arbeitsplatz, der mir mehr Frust als Lust beschert, einfach den Rücken kehren sollte. Nie zuvor habe ich ein Beschäftigungsverhältnis aus eigenem Antrieb beendet. Ebenso konnte ich mich bisher nur schwer aus Verhältnissen und Beziehungen lösen, die mich viel seelische Kraft kosten. Unbewusst war es sehr oft die Menschen- und leider auch Gottesfurcht gewesen, die mich behinderte, Entscheidungen zu treffen.
Mit einer Bekannten bete ich gemeinsam wie es nun weitergehen kann: Ich „höre“ u.a. „Warte ruhig was der Herr tut! Sei gespannt was er unternimmt!“ (Psalm 37, 7, BB). Vor meinem inneren Auge formt sich ein Bild: ein kleines Mädchen wird von seinem Vater auf dem Arm gehalten. Beide schauen auf einen Hang von weiß blühenden Obstbäumen. Ich begreife, dass ich im Vertrauen leben darf. Ich muss keine Angst vor Fehlentscheidungen hinsichtlich meiner Zeit- und Lebensplanung haben. Diese Erkenntnis stärkt mich sehr, sodass ich es wage meinen Chef um ein Gespräch zu bitten. Er ist mit meiner Kündigung einverstanden; und vielleicht sogar etwas erleichtert?! Als fair empfinde ich es jedoch, ihm meine Arbeitskraft noch solange zuzusichern bis ein Nachfolger gefunden ist.
Etwa einen Monat später breche ich mir beim Anheben eines Trauerkranzes einen Daumenknochen. Ich werde krank geschrieben. Meine sorgenvollen Gedanken über den möglichen Frust der Kollegen während der stressigsten Zeit des Floristenjahres halten mich zunächst gefangen. In den folgenden Wochen genieße ich dann aber doch eine wahrhaft besinnliche Adventszeit. Erfreulicherweise bereitet mir der Bruch auch keine Schmerzen.
Unter veränderten Umständen werden manchmal neue Ideen geboren. Mit dem geschienten Daumen kann ich keinen Stift führen, aber die Tastatur des Computers bedienen. Ich fange an, kleine Geschichten zu schreiben: Naturbeobachtungen mit Metaphern über das Leben und den Glauben.
Ich habe auch wieder Lust zum Lesen und abonniere eine Frauenzeitschrift. Eine Werbeanzeige weckt mein Interesse: Die „Schule für christliche Naturheilkunde“ bietet ein berufsbegleitendes Studium zur Gesundheitsberatung an. Sofort spüre ich große Begeisterung und melde mich ein paar Wochen später dafür an. Obwohl es mich eine beträchtliche Summe kosten wird, ruhe ich in der frohen Gewissheit, dass es einen Weg geben wird.
Nach zweimonatiger Krankschreibung arbeite ich noch ein paar Tage im Blumengeschäft und werde dann von einer Nachfolgerin abgelöst. Nach der Kündigung nehme ich mir eine Auszeit von zwei Monaten. Um zu verhindern, dass mich das Arbeitsamt kontaktiert, melde ich mich dort ab. Ich verschwende in dieser Zeit keinen Gedanken an meine berufliche Zukunft, sondern vertraue, dass Gott schon etwas vorbereitet hat.
Finanzielle Entlastung bringt mir der Besuch der „Celler Tafel“. Wöchentlich kann ich hier meinen Bedarf an Obst und Gemüse decken und erhalte obendrein noch einen Blumenstrauß.
Während der freien Wochen besuche ich das Seminar „Power Ladies“, einer Initiative von John G. Lake Ministries. Es wäre eine eigene kleine Geschichte zu berichten, wie wertvoll mir diese Wochen im Hinblick auf den Glauben und meine persönliche Entwicklung geworden sind.
In dieser Zeit habe ich auch den Eindruck, dass mich Gott ermutigt, meiner künstlerischen Begabung mehr Raum zu geben. Darum sage ich der Einladung zu einem Seminar über prophetisches Malen zu. Ganz im Gegensatz zur Malschule während der Jugendzeit fühle ich mich jetzt frei und gestalte mit freudigem Eifer.
Nach der Auszeit sehe ich mit gespannter Erwartung der Vorladung zum Vermittlungsgespräch entgegen. Mein Berater, eine gelassene und fröhlich wirkende Persönlichkeit, schlägt mir ein individuelles Jobcoaching vor, dessen Kosten vom Amt getragen werden. Mir gefällt dieser Rat.
Bei meiner ersten Coachingstunde fällt mein Blick auf einen Kalender an der Wand: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ (Psalm 32,8, Lut). Mein Coach ermuntert mich, die Vielfalt meiner Ideen umzusetzen. Umgehend melde ich mich bei der Volkshochschule und der Familienbildungsstätte für Kurse im Kreativbereich und der Wildkräuterkunde an. Ganz nebenbei werde ich auf einen Flyer aufmerksam, der über eine Ausbildung zum „Alltagsbegleiter“ informiert. Ich frage mich, ob ich eine „soziale Ader“ habe. Durch die Besuche der Landeskirchlichen Gemeinschaft in meiner Kindheit und Jugend, ein Flötenensemble aus älteren Semestern während meiner Studentenzeit, und dem engen Kontakt zu meinen Großeltern ist mir der Umgang mit Senioren vertraut. Dennoch habe ich nie zuvor den Gedanken gehegt, Hilfs- oder gar Pflegedienste in meinem Beruf auszuüben.
Kurzentschlossen organisiere ich mir einen Praktikumsplatz im Heim. Schon nach dem ersten Tag ist mir klar, dass diese Aufgabe meinen zukünftigen Weg bestimmen wird. Durch meine Großeltern habe ich auch keine Berührungsängste bei Dementen.
Im August 2018 beginne ich mit der viermonatigen Ausbildung, deren Kosten vom Arbeitsamt übernommen werden. Im Anschluss bleibt mir Bewerbungsstress erspart: Ich werde von einem Wohnheim eingestellt, in dem ich mein Praktikum im Rahmen des Kurses absolviert habe.
Vor meinem Beginn bete ich, dass ich nicht darauf angewiesen sein werde in Vollzeit zu arbeiten.
Tatsächlich erhalte ich die Möglichkeit, mit einer reduzierten Stundenzahl zu starten; und man gewährt mir jeden Monat einen Block von fünf freien Tagen, für die Fahrt zum Gesundheitsberaterstudium im Schwarzwald.
In meinen neuen Beruf kann ich viele meiner Fertigkeiten einbringen: Basteln für die Raumgestaltung, Dekorieren der Tische mit Naturmaterialien oder Anleiten leichter gymnastischer Übungen. Außerdem liegen mir die einfachen Gespräche mit den Bewohnern über das Wetter und die Dinge des Alltags. Durch meine Erfahrung in der Leitung von Kleingruppen in Gemeinden komme ich auf die Idee, Sonntagsandachten zu gestalten. Dankbar wird dieses Angebot von vielen angenommen, da die meisten Älteren keine Möglichkeit mehr haben selbst einen Gottesdienst zu besuchen. Meine Zuhörer sind selig, wenn ich zur Einstimmung eine Kompositionen von Händel oder Mozart auf der Flöte spiele. Durch meine Familie sind mir aber auch viele alte Volkslieder vertraut. Gern stimmen die Senioren mit mir ein.
Ich stelle fest, dass ich nach meinem wechselhaften beruflichen Weg nun eine Tätigkeit ausübe, der ich mich weitgehend gewachsen sehe. Ich fühle mich auf meiner Arbeit wohl und erlebe sie als erfüllend.
Die Fahrten zum Studienort beginnen Ende 2018. Hier lerne ich Erstaunliches über das heilwirkende Potential der Pflanzen. Einmal mehr erkenne ich, wie wunderbar Gott seine Schöpfung gestaltet hat. Als vorteilhaft erweisen sich meine botanischen und chemischen Vorkenntnisse. Doch ganz im Gegensatz zur Biologie empfinde ich das Gesundheitsberaterstudium als zutiefst sinnstiftend.
Mit dem Einstieg ins Arbeitsleben habe ich die Berechtigung für den „Einkauf“ bei der „Celler Tafel“ verloren. Ein netter Bekannter, mit dem ich mich über die letzten Monate dort angefreundet habe, teilt hinfort seine Lebensmittel-Ration mit mir. Dadurch kann ich eine beträchtliche Geldsumme sparen.
Nach etwa anderthalb Jahren als Alltagsbegleiterin keimt in mir die Frage auf, ob ich mich noch am richtigen Platz befinde. Im Grunde genommen mache ich meine Arbeit gern, aber leider mangelt es an Zeit für den persönlichen Austausch mit den Bewohnern. So ist das leider oft in sozialen Berufen. Ein straffes Programm ist die tägliche Pflicht: Richten des Buffets, Unterstützung einzelner Senioren bei den Mahlzeiten, bzw. Toilettengängen, Vorbereiten und Durchführen des Beschäftigungsprogramms, im Anschluss wieder Essenszubereitung usw. . Nicht selten wird der Ablauf durch unvorhergesehene Zwischenfälle unterbrochen. Wertvolle Zeit geht auch durch die Dokumentationsarbeit am Computer verloren. Als ich nach einem sehr stressigen Arbeitstag gegen Feierabend leichte Übelkeit verspüre, überlege ich zum ersten mal ernsthaft das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Meinen Chef befrage ich noch einmal, ob es möglich wäre, mich vorrangig für die Einzelbetreuung einzusetzen. Es würde mich dem Routineablauf des Tages entbinden. Durch meinen fürsorgende und sanfte Natur liegt mir die individuelle Versorgung ohnehin sehr gut. Man teilt mir mit, dass ein Bedarf bestünde, doch finanzielle Kapazitäten ständen leider nicht zur Verfügung. Daraufhin kündige ich mein Ausscheiden an.
Kurze Zeit später trifft mich bei einem Spaziergang im Schwarzwald ein blitzartiger Gedanke: „Mach‘ dich selbstständig!“ Einige Tage danach fällt mein Blick auf die aufgeschlagenen Predigtnotizen einer Bekannten mit dem Satz „Wirtschafte mit dem, was du hast.“
„Gott, forderst Du mich dazu auf?“ Die Idee, mich selbstständig zu machen, erscheint mir zunächst völlig absurd. Ich lasse sie wirken und komme zu der Erkenntnis, dass ich in meiner bisherigen Laufbahn viele Kompetenzen erworben habe, um damit tatsächlich auf eigenen Beinen stehen zu können.
Wenige Wochen später erlebe ich meinen letzten Arbeitstag als Alltagsbegleiterin im Angestelltenverhältnis. Der Abschied fällt beiden Seiten nicht leicht. Nicht nur mir sind über die letzten 20 Monate viele Kollegen und einige Bewohner ans Herz gewachsen. Trotzdem fühle ich mich erleichtert, dem Arbeitsstress den Rücken zu kehren.
Nach dieser Station nehme ich mir mal wieder eine Auszeit. Mein Direktor von der Schule bringt mich auf die Idee, eine Kommunität aufzusuchen. Ich werde auf die „Koinonia“ in Hermannsburg aufmerksam und entschließe mich zu einem dreiwöchigen Aufenthalt. Nach meiner Ankunft werde ich nicht nur von einer sehr freundlichen Gästebetreuerin empfangen, sondern ich erkenne auch den himmlischen Gruß an mich: In dem hell eingerichteten Gästezimmer steht eine schlanke hellblaue Vase, gefüllt mit einigen Lavendelblüten und einer einzelnen roten Rose. Schon oft hat ER die Sprache der Blumen benutzt, um mir etwas mitzuteilen: Durch den Lavendel lädt mich Gott ein, zur Ruhe zu kommen, die Rose steht für seine Liebe zu mir.
Das unkomplizierte und natürliche Teilnehmen am Leben der Kommunitätsmitglieder beeindruckt mich: Ich bin eingeladen, an einem gedeckten Tisch Platz zu nehmen. Man berücksichtigt sogar meine Kuhmilchunverträglichkeit und kauft zusätzliche Lebensmittel ein. Auf Anfrage teilt man mir Aufgaben im Garten zu. Zur allgemeinen Erheiterung trägt es bei, dass ich ein Teil des Unkrauts als Salatblattalternative zum Brot esse oder den Bewohnern Giersch-Birnen-Smoothies anbiete. Am Abend genieße ich das Ritual des gemeinsamen Volksliedersingens mit der Nachbarschaft auf der Straße. Es ist „Corona“ zu verdanken.
Meine drei Wochen gestalte ich abwechslungsreich: Neben dem Schreiben mache ich Fotos auf meinen Wanderungen für eine Präsentation für die Schule. Dabei fällt mir mein Handy versehentlich aus der Hand. Ich nehme es gelassen. Somit kann ich nun noch mehr Urlaub vom Alltag genießen.
Es bahnen sich Gedanken über meine zukünftige Lebensgestaltung. Aus der wachsenden Gewissheit, bei Gott geborgen zu sein, entsteht der Wunsch auch anderen Menschen „Zuhause-Erfahrungen“ zu schenken. Ich träume von Orten oder Räumen der Ruhe, vom Bildermalen mit Motiven, die Frieden ausstrahlen und Gottes wunderbares Wesen sichtbar machen. Ich möchte mein Gesundheitswissen (im ganzheitlichen Sinne) teilen, mit einer einfachen, gesunden Küche verwöhnen, Naturerlebnis-Spaziergänge durchführen, sowie Wellness-Massagen anbieten.
Vielleicht wünsche ich mir auch einen Mann, der meinen Traum vom Leben teilt?!
Eine Woche nach meinem Aufenthalt in der Kommunität scheint sich der Ruf in die Selbstständigkeit zu bestätigen: An drei aufeinander folgenden Tagen begegnet mir in völlig verschiedenen Situationen und an unterschiedlichen Orten der Vers aus Josua 1,9: „Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ (Hfa).
Über die letzten zwei Jahre habe ich den Eindruck, dass meine Belastbarkeit immer weiter abnimmt. Wenn zu viele Reize auf mich einströmen, fühle ich mich schnell überfordert. Auch körperlich häufen sich verschiedene Symptome. Am meisten machen mir Schlafstörungen zu schaffen. Ich sorge mich, dass ich den Tag über zu müde sein könnte, um den Anforderungen zu begegnen. Tatsächlich mache ich jedoch die Erfahrung, dass mir beispielsweise an lernintensiven Unterrichtstagen genügend Pausenzeiten zur Verfügung stehen, damit ich mich zurückzuziehen kann. Ich besitze auch die innere Freiheit, mich von Zeit zu Zeit vom Unterricht auszuklinken, um mich zu erholen. Den „Mut zur Lücke“ verdanke ich u.a. Gottes Zuspruch: „Mit mir kannst du nichts verpassen.“ Für den Abschluss meines Studiums lasse ich mich ebenfalls nicht durch früheren Ehrgeiz treiben. Es mag kurios klingen, aber der mündliche Test, gestaltet als Präsentation vor der Klasse und der Prüfungskommission, macht mir tatsächlich Spaß. Im Anschluss kann ich mich auch über ein Lob meines Schulleiters freuen. Ebenso habe ich für das finale „bunte“ Programm der Klasse viele Einfälle und beteilige mich begeistert mit kleinen Redebeiträgen.
Für meine Selbstständigkeit bietet mir mein Arbeitsvermittler ein Gründungscoaching an, dass ich dankbar annehme. Aus meiner Vielseitigkeit heraus, möchte ich gern in verschiedenen Bereichen aktiv sein. In der Alltagsbegleitung würde ich gern privat ältere Leute bei haushälterischen Tätigkeiten und Einkäufen unterstützen oder sie auf Wunsch mit Spiel, Musik ect. unterhalten.
Als zweites Standbein sollen mir die Kenntnisse aus dem Gesundheitsberaterstudium dienen. Mir schwebt vor, zunächst in christlichen Gemeinden Referate zu halten, und Seminare durchzuführen. Wesentlich sind mir hierbei präventive Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Menschen überhaupt krank werden. Außerdem möchte ich einige Alternativen zu den klassischen Behandlungsmethoden aufzeigen. Ebenso würde ich gern Wohlfühlmassagen, auf Wunsch mit ätherischen Ölen, anbieten. Im Studium habe ich einige Griffe und Techniken erlernt. Eine Kombination mit segnendem Gebet bietet sich an dieser Stelle an.
Im Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft beginne ich mit meinem kleinen Unternehmen zu werben, dem ich den Namen „Natürliche Wohltat“ gegeben habe. Offizieller Beginn ist der 01.01.2021. Für die Startphase erhalte ich für das erste halbe Jahr einen Gründungszuschuss.
Ich vertraue darauf, dass Gott mir helfen wird finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Immerhin war es auch seine Idee; davon bin ich mittlerweile überzeugt. Unterschwellig spüre ich aber dennoch leichte Anspannung, vor allem, weil ich merke, dass mir nicht viel aktive Zeit bleibt.
Körperliche Beschwerden machen sich immer deutlicher bemerkbar. Am meisten belastet mich das Untergewicht trotz nahrhaftem Essen. Nach den Mahlzeiten drängt mich oft starke Müdigkeit zum Ruhen. Einige Lebensmittel, sowie auch Fertiggerichte vertrage ich gar nicht mehr, sodass ich täglich Zeit für die Zubereitung des Essens einplanen muss. Spätestens am Nachmittag verspüre ich einen starken Bewegungsdrang, der mich an die frische Luft treibt. Somit verbleiben mir pro Tag nur ca. vier Stunden, in denen ich für meine Arbeit tätig sein kann. Ebenso reagiere ich zunehmend empfindlich gegenüber lauten Geräuschen und grellem Licht, sowieso einigen Gerüchen. Bei Gesprächen und Arbeiten am Computer merke ich, dass meine Konzentration schnell nachlässt.
Mein Hausarzt kann keine klärende Diagnose stellen. Auch die von mir gewählten naturheilkundlichen Maßnahmen und Nahrungsergänzungen scheinen keinen Erfolg zu haben.
Meine Ernährung ist, nach meinen Kenntnissen, optimal, mein Tagesrhythmus geordnet. Ich komme letztlich zu der Vermutung, dass eine seelische Belastung, unter Umständen sogar ein Trauma, die Beschwerden verursacht. Durch mein Studium ist mir der Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Geist bewusst. Bei der feierlichen Übergabe der Abschlusszeugnisse war mir interessanterweise folgender Vers mit auf den Weg gegeben worden: „Schaut und fragt nach den Wegen der Vorzeit, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!“ (Jeremia 6,16, Lut)
In den letzten Jahren hatte ich phasenweise das Bedürfnis, meine gedanklichen Bilder zu Papier zu bringen. Die freie Zeiteinteilung ermöglicht es mir nun, verstärkt im künstlerischen Bereich aktiv zu sein. Meine Ideen für Motive entspringen oft einer innewohnenden Sehnsucht oder einem Gespräch mit Gott. Daraus wird der Einfall geboren, einen öffentlichen Workshop unter dem Motto „Malen im Dialog mit Gott“ anzubieten. Gemeinsam mit einer Freundin und der Familienbildungsstätte in Celle führen wir einen Online-Workshop mit anschließender Ausstellung durch.
Im Frühjahr 2021 melde ich neben „Natürliche Wohltat“ noch eine Freiberuflichkeit als Künstlerin an.
Inzwischen hat sich aus der netten Bekanntschaft von der „Celler Tafel“ eine Liebesbeziehung entwickelt. Durch den regelmäßigen Kontakt über die letzten drei Jahre hinweg, habe ich Frank recht gut kennenlernen dürfen. Im Mai 2021 heiraten wir.
Ein halbes Jahr nach Beginn der Selbstständigkeit ist es mir noch nicht geglückt, eine tragfähige Basis zu erwirtschaften. Aufgrund meiner gesundheitlich angeschlagenen Situation muss ich geplante Workshops in meiner Gemeinde und bei der Familienbildungsstätte wieder absagen.
Ich erhalte nun ebenso wie Frank, Hartz IV. Innerlich kämpfe ich mit diesem Zustand, und überlege oft, in welcher Weise ich meine Zeit am effektivsten nutzen könnte. Bald komme ich jedoch zu der Erkenntnis, dass der Aufwand, um die monatlich erforderliche Geldsumme zu erreichen, utopisch ist. Meine Verbissenheit löst sich, und ich spüre innere Freiheit und Dankbarkeit für die staatliche Versorgung.
Durch Frank erfahre ich liebevolle Unterstützung. Er gewährt mir den Freiraum, den ich benötige und nimmt mir viel Arbeit im Haushalt ab. Durch seine eigene Geschichte kann er meiner Situation ein bisschen nachfühlen und hat darum großes Verständnis.
Meinen früheren Wohnraum möchte ich trotz meines Umzugs gern behalten, da Franks Zweizimmerwohnung zu klein ist, um sich zurückziehen und in Ruhe arbeiten zu können. Wir vereinbaren mit der Vermieterin einen reduzierten Preis. Als Ausgleich verpflichtet sich mein Mann zu Reparaturarbeiten am und im Haus sowie der Pflege des Gartens.
Finanzielle Entlastung erfahren wir auch noch in anderer Weise: Eine Bekannten, die ich im Rahmen der Alltagsbegleitung unterstütze, möchte ihren Hausstand verkleinern und sortiert zahlreiche, größtenteils hoch- und neuwertige Artikel aus, die Frank und ich für unseren Haushalt gut verwenden können. Auch auf dem Sperrmüll finden wir immer wieder „Geschenke“. Über einen schönen großen Esstisch mit Stühlen freuen wir uns besonders.
Aufgrund meiner körperlich-seelisch labilen Situation mache ich mich im Sommer auf die Suche nach Unterstützung. Ich gelange zu einer christlichen Einrichtung, die Menschen mit Traumata berät. Bei meinem ersten Besuch habe ich noch ein wenig Zeit und wandere durch einen nahe gelegenen Wald. Dabei komme ich an einer Schautafel vorbei. Unter einem gemalten Bild, dass mir mit seinem Blumenmotiv ausgesprochen gut gefällt, steht der Vers: „Eure Seele wird sein wie ein wasserreicher Garten, und sie soll nicht mehr bekümmert sein.“ (Jesaja 58, 11). Ich fühle mich ermutigt.
Das Gespräch mit der Therapeutin bestätigt meine Vermutung und gibt meiner „Krankheit“ einen Namen: Ich leide aufgrund eines vorgeburtlichen Entwicklungstraumas an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.
In der Alltagsbegleitung arbeite ich nur noch drei bis vier Stunden in der Woche. Die Resonanz auf meine Einladung in der Gemeinde zu einem Wildkräuterspaziergang oder einem Entspannungsseminar ist verhalten. Anfragen hinsichtlich einer Gesundheitsberatung habe ich kaum. Die restliche Zeit nutze ich, um meine Geschichte aufzuschreiben, und kreativ zu sein. Schreiben bereitet mir zunehmend Freude. Beim Malen kann es sogar geschehen, dass ich alles um mich herum vergesse. Freunde und Bekannte bestärken mich darin, meine künstlerische Ader auszubauen. Auch die Predigten in meiner Gemeinde enthalten überraschenderweise gehäuft Impulse, die mich ebenfalls ermutigen. Mein Mann, selbst kunstbegeistert, unterstützt mich mit handwerklichem Knowhow, zum Beispiel beim Rahmenbau. Durch ihn besitze ich jetzt auch eine große Staffelei, die er vor einigen Jahren für sich gebaut hatte.
Ich bin dankbar, dass ich zwei Wesensarten in mir vereine: In kürzester Zeit kann ich mein Arbeitszimmer ins kreative Chaos stürzen. Mein Sinn für Ordnung und Struktur hilft mir aber nach Abschluss einer Kunstarbeit immer wieder aufzuräumen. Das fühlt sich für mich nach einer gesunden Mischung an.
Tagebuch, 08.12.21
Ich bin dabei, eine Karte für eine Bekannte mit einigen Wunschvorgaben zu gestalten. Den Hintergrund male ich in Aquarell mit Blau- und Rosatönen. Als ich fertig bin schaue ich aus dem Fenster und muss unwillkürlich lächeln. Der Himmel, im Licht der untergehenden Sonne, entspricht genau meinem Bild in Farben und Komposition. Im Geist sehe ich wie Gott mir zulächelt: „Du machst das prima. Weiter so!“
Ich beginne von meinen Motiven Postkarten zu drucken, und sie vorrangig in der Gemeinde und im Bekanntenkreis anzubieten. Später nehme ich Kontakt zu Celler Geschäften auf. Die Nachfrage von Kunden ist mäßig. Im Herbst 2023 erhalte ich die Möglichkeit, in einem Café in der Innenstadt für zwei Monate meine Bilder auszustellen.
Nach der Ausstellungseröffnung gönne ich mir eine „Malpause“. Ich überlege, welches Projekt ich als nächstes in Angriff nehmen könnte. Wofür schlägt mein Herz am lautesten? Ich fange an, mir verschiedene kleine Ziele zu setzen, deren Umsetzung mir möglich erscheinen. Dazu zählt die Teilnahme an einem Markt im Celler Heilpflanzengarten, oder eine Lesung mit meinen Geschichten im privaten Rahmen.
Ich denke oft an den ermutigenden Vers aus Josua 1,9 zurück. Darum versuche ich das Beste aus meiner Situation zu machen. Dennoch ist es nicht immer ganz leicht, durch die Grenzen meines Körpers im Tatendrang gehindert zu werden. Gefühlt komme ich nur im Schneckentempo voran. Ganz unverhofft werde ich dennoch immer wieder ermutigt, wie durch ein Kalenderblatt, das beim Besuch meines Friseurs auf einem Tischchen steht: „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder, als der, der ohne Ziel umherirrt.“ G.E. Lessing.
Nach und nach verändert sich meine Perspektive: Ich lerne mich selber besser kennen und merke, dass es nicht klug ist, immer nur seiner Begeisterung nachzugehen. Bei einer Fülle von Ideen, besteht definitiv die Gefahr sich zu verzetteln. Wenn mich ein großartiger Einfall zur Umsetzung drängt, darf ich es nun lernen mich zurückrufen.
Als initiativer Typ suche ich mir Aufgaben gern selbst. Daher empfinde ich Gottes Aufforderung zunächst als ungewohnt, aber auch in gewisser Weise entlastend: „Höre auf, Deine eigenen Projekte umzusetzen, sondern warte darauf, dass Menschen auf Dich zukommen.“ Und tatsächlich: ich erhalte einen Bildauftrag, eine Gesundheitsberatung, … . Niemals erreichen mich die Anfragen geballt, sondern in großen zeitlichen Abständen, die es mir erlauben im Rahmen meiner Möglichkeiten zu agieren.
Im bin zufrieden beim Erreichen meiner Vorhaben. Parallel macht sich auch eine wichtige Erkenntnis Raum: Wenn ER nicht seinen Segen hinzugibt, ist alle Arbeit umsonst. Auch wenn sich Erfolg einstellt, kann ich es letztendlich nicht meiner Disziplin und meiner Begabung zuschreiben. Alle Fähigkeiten und Ressourcen sind Geschenke.
„Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern setze dein Vertrauen ungeteilt auf den Herrn! Denk an ihn bei allem, was du tust; er wird dir den richtigen Weg zeigen. Halte dich nicht selbst für klug und erfahren, sondern nimm den Herrn ernst und bleib allem Unrecht fern! Das ist eine Medizin, die dich rundum gesund erhält und deinen Körper erfrischt. Ehre den Herrn mit deinen Opfergaben; bringe ihm das Beste vom Ertrag deiner Arbeit. Dann werden deine Kornspeicher sich füllen und deine Weinfässer überlaufen.“ (Sprüche 3, 5-10, GN)
Meine Abhängigkeit zu begreifen und SEINER guten Führung zu vertrauen, entspannt mich.
Der Mensch soll nicht nur arbeiten. Darum schenkte ihm Gott einen Ruhetag. Für die meisten Christen ist dies der Sonntag. Als ich erkenne, dass mich ein Gottesdienstbesuch manchmal durch seine Fülle an Reizen und Eindrücken sehr fordern kann, beschließe ich, mir einen anderen Tag in der Woche zu wählen. An meinem „Frei-Tag“, der auch mal ein Samstag sein kann, mag ich es abwechslungsreich: ein schöner Spaziergang durch die Natur, bestenfalls auf einem noch unbekannten Weg, eine Verabredung zum Klönen und Handarbeiten mit Freundinnen, Hören auf Gott und Beten mit meinem Mann, eine Tasse Tee und ein Stück Kuchen am Nachmittag in unserer gemütlichen Küche, Singen und Musizieren mit Frank, und einige Tanzschritte. Noch viel zu selten nehme ich mir an einem solchen Tag die Zeit zum Malen; merke ich doch, dass ich dabei wunderbar entspannen kann.
Als Spiel, neben den offiziellen Aufträgen, betrachte ich die Gestaltung des Foyers vor dem Gottesdienstraum meiner Gemeinde. Auf einer Staffelei oder einer Stele lasse ich Bilder oder auch Blumen „sprechen“. Orientierung bieten mir prophetische Eindrücke im Rahmen des Gottesdienstes. Gern folge ich meiner Liebe zur Einfachheit. Zum Beispiel kombiniere ich die Aussage „Du bist einzigartig!“ mit einer einzelnen Blume, – natürlich passend zur Saison. Dabei passiert es mir immer wieder, dass ich den Eindruck habe, dass Gott mir für meine Ideen geeignete Materialien zur Verfügung stellt: Als ich mir Gedanken über das Thema „Freiheit“ mache, finde ich kurze Zeit später einen kleinen dekorativen Vogelkäfig, den jemand an den Straßenrand gestellt hat. Ohne Vogel, aber mit geöffnetem Türchen wird er zum Symbol für folgenden Vers: „Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben.“ (Galater 5,1 Hfa)
Die häufigen kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt, die Müdigkeit nach dem Essen, und der Bewegungsdrang zu bestimmten Zeiten zwängen mich in eine enge Tagesstruktur. Mein mittlerweile starkes Untergewicht und viele weitere permanente Symptome belasten mich zunehmend. Darum bin ich dankbar, dass ich zur Stärkung und Linderung der körperlichen Erscheinungen aus dem Wissensschatz meines Gesundheitsberaterstudiums schöpfen kann: Wildkräuter, Bitterstoffe und ätherische Öle tun mir gut. In der Familie und im Freundeskreis gebe ich gern meine Tipps weiter; manchmal durch persönliche Erfahrung untermauert. Ebenso erwähne ich oft den Zusammenhang von Körper, Seele und Geist. Bei dieser Thematik schlägt mein Herz lauter, und ich spüre, dass es zukünftig eines meiner großen Anliegen sein wird, eine Sensibilität dafür zu wecken.
Aufgrund meiner mittlerweile sehr empfindlichen Verdauung vertrage ich keine Fertigprodukte mehr. Da mein Mann und ich sehr gern, und, ich würde behaupten, auch gut kochen können, macht es uns nicht so viel aus alle Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Weil ich unkomplizierte Gerichte mag, bevorzuge ich Speisen mit Kartoffeln oder auch Suppen und Eintöpfe. (Der wöchentliche Besuch meiner Oma in meiner Schulzeit hat mich geprägt.) Durch die Versorgung mit Lebensmitteln von der „Celler Tafel“ haben wir das Glück „aus dem Vollen“ zu schöpfen. Gern laden wir uns auch Gäste zum Essen ein.
Durch meinen Bewegungsdrang kommt es mir gelegen, dass ich mit „Jerry“, den ich nun seit der Hochzeit mit Frank ebenso mein eigen nennen darf, eine Abendrunde drehen kann.
Ich muss zugeben, dass mir der Entschluss zum Müßiggang, ohne die Erledigung einer „sinnvollen“ Aufgabe, manchmal noch schwerfällt. Spannend ist es jedoch zu entdecken, dass sich solche „Einfach-nur-mal-so-Spaziergänge“ oft als inspirierend erweisen. Ich bin dann offener für meine Umgebung und gebe Gottes leiser Stimme mehr Raum.
Bei einem solchen Lauf überrascht ER mich mit der Aufforderung, dass es an der Zeit wäre, über eine Webseite für meine Kunst nachzudenken. Es braucht einige Wochen bis ich innere Gewissheit und auch selbst ein „Ja“ dazu habe.
Über die letzten Jahre ist ein von Hoffnung und Zuversicht geprägtes Lebensgefühl in mir gewachsen. Depressive Stimmungslagen können mich meist nicht mehr lange gefangen halten. Mein Mann, der mich nun seit fast sieben Jahren kennt, bestätigt mir, dass ich mich verändert habe. Frank ist sehr sensibel und kann meist viel am Gesicht seines Gegenübers ablesen. Er berichtet, dass er zu Beginn unserer Bekanntschaft in meinen Augen eine unbestimmte Traurigkeit gesehen hätte. Nun jedoch sei davon nichts mehr zu erkennen. Nein, ich wäre sogar regelrecht aufgeblüht.
Durch die Gespräche und Gebete mit der Therapeutin, und die Unterstützung durch meine leibliche und geistliche Familie heilen die seelischen Wunden immer weiter aus. Menschen gegenüber spüre ich eine nie gekannte Offenheit und Liebe. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so stark in mir gefangen und kann mich mit etwas Abstand betrachten: Ich lerne es zu unterscheiden, wann sich mein „inneres Kind“ zu Wort meldet, und in welchen Fällen es die erwachsene Christine ist. Auch die Dimensionen der unsichtbaren Welt werden mir immer klarer vor Augen geführt. Nach vielen kleinen „Durchbrüchen“, merke ich, wie auch ein starker Lebenswille und die Freude am Dasein sich ihre Bahn bricht.
Nach zwei Jahren ohne ärztliche Untersuchung begebe ich mich auf dringendes Anraten meines Hausarztes im Herbst 2024 ins Krankenhaus. Sämtliche Untersuchungen bieten keine Erklärung für meinen Zustand. Ich selbst komme zu dem Schluss, dass es verschiedene Überlebensängste in Kombination mit einer geistlichen Belastung sind. Tatsächlich treten sie mir Stück für Stück, mittlerweile ohne begleitende Therapiegespräche, ins Bewusstsein. Durch das vertrauende Gebet und das tägliche Abendmahl nimmt die mentale Entspannung immer weiter zu. Die Unruhe, die mich zur körperlichen Bewegung treibt, verschwindet. Ebenso kann ich mich immer besser bei Arbeiten am Computer konzentrieren.
Meine Perspektive auf das Leben verändert sich mehr und mehr. Aus meiner wachsenden Beziehung zu Gott Vater und Jesus Christus treten auch menschliche Beziehungen immer stärker in den Vordergrund. Neben einer, für mich sinnvollen Tätigkeit, erlebe ich nun den Kontakt mit Menschen als etwas sehr Bereicherndes. Ein wertschätzender und liebevoller Umgang mit meiner meiner Familie wird mir zunehmend wichtiger. Auf der Ebene der Freundschaften würde ich gern mit noch sehr viel mehr Menschen im regelmäßigem Austausch stehen. Doch auch hier muss ich meine Grenzen akzeptieren und mich beschränken. Als bereichernd empfinde ich den Umgang mit unterschiedlichen Charakteren: ein zwangloses Gespräch mit einem „sonnigen“ Naturell tut mir ebenso gut, wie der „Tiefgang“ mit vertrauten Personen.
Ich bin Gott für die Führung meines Lebens sehr dankbar. Wer wäre ich jetzt ohne IHN? Ein Großteil meiner Begabungen wäre wahrscheinlich unerkannt, verborgen geblieben, – wie bei einer Schnecke, die ihr Haus verschlossen hat. Im Grunde meines Herzens wäre ich keine andere Persönlichkeit, trotzdem erkenne ich die Christine meiner Kindheit nicht mehr wieder.
Früher baute ich mir vor dem Einschlafen gern Luftschlösser, heute gestalte ich meinen Traum vom Leben ganz real. Auch wenn der Umfang meiner Tätigkeit und mein Wirkungskreis sehr klein sind: wie erfüllend ist es dennoch nicht irgendetwas zu tun, sondern die eigenen Fähigkeiten zu entdecken, ganz praktisch einsetzen zu dürfen, und sich dabei weiter zu entwickeln.
Malen – aus Freude am Gestalten sowie an Farben und natürlichen Formen; um Wünsche und Sehnsüchte ins Sichtbare zu holen; um mit Bildern zu beten
Schreiben – um mit Worten zu spielen, Gedanken zu verankern; und meine Geschichte nicht zu vergessen
Naturheilkunde – aus der Begeisterung über dem Heilungspotential der Schöpfung; aus Liebe zum Körper; um verträgliche Alternativen aufzuzeigen, und Linderung zu schenken; aus der Faszination über die komplexen Zusammenhänge von Körper, Seele und Geist
Putzen und Gartenarbeit – als „erdende“ Aufgaben und kurzweilige angenehme Abwechslung
→ Ich kann und darf an jedem Tag in meiner Berufung leben. Dazu zähle ich nicht nur die Aufgaben, bei denen ich etwas verdiene, sondern ebenso, wenn ich für meine Familie ein gesundes und leckeres Essen koche, oder, auf einem Spaziergang mit Freunden über das „Wunder am Wegrand“: den Löwenzahn, berichte. Mein ganzes Leben, jeder Augenblick gehört dazu. Mit dem Blick auf Gott lebe ich ganz automatisch in meiner Berufung. Jeden Morgen kann ich die Entscheidung treffen, aus der Beziehung zu IHM meinen Alltag zu gestalten. Selbst eine als Belastung empfundene Situation kann sich dann als Segen erweisen. Ich habe die Wahrheit des Verses „Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.“ (Römer 8,28, Hfa), immer wieder erfahren dürfen. Auch die scheinbaren Umwege in meinem Leben, erhalten in der Rückschau ihren Sinn. Könnte ich „meinen Garten“ aus der Vogelperspektive betrachten, würde ich vielleicht eine Anlage mit hübsch ineinander übergehenden Mustern bestaunen dürfen.
Tagebuch, 23.05.2018:
Mein Leben ist wie ein Garten. Es gibt viele verschiedene Beete. Auf manchen grünt und blüht alles prächtig, andere Flächen hingegen warten auf die Einsaat, einige Stellen liegen auch brach, und die Wildkräuter sprießen übermannshoch.
Beständig bin ich dabei, auf meinen Feldern eifrig zu ackern. Es ist eine nie beendete Aufgabe, – eben ein Lebensprojekt.
Gott: „Soll ich Dir ein Geheimnis verraten? – Dein Garten ist in Wahrheit noch viel größer! Vieles hast Du in dem verwinkelten Terrain noch gar nicht entdeckt. Ich werde es Dir zu gegebener Zeit zeigen.
Es ist spannend zu entdecken, dass jede kleine geistliche Erkenntis oder auch ein größerer Durchbruch immer zu positiven Veränderungen führt: Das Bemerken eigener lügenbehafteter Denkmuster, und die Erfahrung der vergebenden Gnade durch den erlösenden Opfertod von Jesus am Kreuz lassen viele seelische Wunden heilen. Größere Nähe zu Gott führt mich mehr zu mir selbst und weitet mir ebenso den Blick für meine Mitmenschen, hilft mir sie besser zu verstehen.
Tagebuch, 05.09.2024:
Auf meinem Desktop erscheinen täglich wechselnde Bilder, oft sind es beeindruckende und wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Heute ist es das Panorama einer sehr großen Stadt mit vielen Wolkenkratzern.
„Wie groß bist Du, Gott! Du hast alle Menschen, die dort leben zeitgleich im Blick und kümmerst Dich ganz individuell, mit Liebe zum Detail um jeden einzelnen.“
Welchen Eindruck von Gottes Dimension man wohl erst durch eine Reise im Weltraum erhält?
Wie klein ich doch dagegen bin, wie unbedeutend und wie vergänglich doch mein Leben ist! Doch auch wie schön an dieser Stelle zu bemerken: Ich brauche mich nicht so wichtig zu nehmen.

Stand: 01.01.2025