monatlich wechselnd
Beim Morgenspaziergang:
Eine Frau läuft vor mir und schiebt ihr Rad neben sich. Sie geht wesentlich langsamer und behindert meinen schnellen Schritt auf dem schmalen Weg.
„Bleibe hinter ihr!“, flüstert ER mir zu.
Eigentlich habe ich es eilig …
Ich betrachte die Frau von hinten. Sie trägt eine dunkelgraue Jacke, an ihren kräftigen Beinen eine enge Leggings. Ihre Schritte wirken etwas schwerfällig.
„Weißt Du, wen ich in ihr sehe ?
… eine Tänzerin!“
Ich habe für eine Bekannte ein kleines Präsent gebastelt.
Beim Durchstöbern meiner Mappe mit den Geschenkpapieren überlege ich:
Nehme ich mein absolut Schönstes zum Einwickeln,
oder hebe ich es lieber für einen besonderen Anlass auf?
Dann kurzentschlossen: ich werde es verwenden!
Nach diesem Prinzip möchte ich gern (immer öfter) leben: Maximal !
Früher ging ich nach der Schule jeden Freitag zu meinen Großeltern. Dort gab es immer einen Eintopf. Meine Oma schöpfte dabei aus einem großen Ideenschatz: Nudelsuppe, Brühreis, Grüne Bohnen-, Kohlrüben-, Mohrrüben- oder Erbseneintopf. Zum Nachtisch gab es jedes mal Griesbrei. Ich liebte die Schale in Form einer großen Weintraube, in der der Brei erhärtete.
Noch immer esse ich an Tagen, an denen es mir nicht gutgeht, am liebsten Speisen, die sich weich im Mund anfühlen, und die meinen Magen wärmen. Sie geben mir ein wohliges Gefühl, – ein Gefühl von Geborgenheit, Zuhausesein.
Früher regte ich mich über Leute auf, die sehr viel Zeit mit ihrem Handy verbringen. Gibt es denn nicht Sinnvolleres zu tun?!
Beschämend erkannte ich irgendwann: während andere sich mit Whatsapp und Spielen ihre Zeit vertreiben, mache ich mir Sorgen. Ich war ausgesprochen gut darin mir ständig und über alles und jeden Gedanken zu machen.
Möglicherweise vergeudete ich dadurch noch wesentlich mehr wertvolle Stunden.
Vor knapp zwei Wochen ist ein fünf Monate alter Hund bei uns eingezogen. Ich bin begeistert wie schnell er gelernt hat auf bestimmte Befehle zu hören. Fast täglich macht er weitere Fortschritte. Auch mein Mann und ich verstehen seine Art mit uns zu kommunizieren immer besser.
So ist es wohl auch mit unserer Beziehung zu Gott: In einem lebenslangen Prozess lerne ich wie vielfältig Sein Reden ist. Neben der Bibel, teilt er sich mir durch meine Gedanken mit, nutzt meine Phantasie. Ich erhalte Antworten durch den Austausch mit anderen Menschen, erlebe Ihn in der Natur, erkenne eine Liebesmelodie in manchem Lied, …
Eine meiner größten Ängste war es, (und ist es manchmal immer noch), falsche Entscheidungen zu treffen. Der Perfektionist lässt grüßen!
Aber: Fehltritte sind nun einmal unvermeidbar. Da kann ich mich noch so anstrengen. Allein, dass dann aus meinem Leben leicht ein „Krampf-Kampf“ wird, beweist ja irgendwie auch, dass etwas nicht stimmen kann.
Also: immer mutig voran; frei nach dem Motto: Wer viel macht, macht viele Fehler. Wer nichts macht, macht den größten Fehler!
Danke, dass DU mir bei meinem Lauf – von einem Fettnäpfchen ins nächste zur Seite stehst : )
Am Abend habe ich oft Appetit auf ein Spiegelei. Besonders lecker wird es, wenn in der Pfanne vorher Zwiebeln gebraten wurden. Das Eiweiß sollte weit auslaufen können. Wenn es am Rand anfängt braun und knusprig zu werden, und das Dotter noch weich, aber nicht mehr flüssig ist, wird der Herd ausgeschaltet. Wenn möglich, esse ich es gleich. Spiegeleier dürfen nicht kalt werden!
Auch wenn ich weiche Eier liebe, ein Weichei im umgangssprachlichen Sinne bin ich nicht; denn ich lebe aus dem Vertrauen, und das braucht Mut, ganz viel Mut!
„Gut!“ „Und Dir?“
…
Offen gesprochen: Ich mag diese Frage nicht;
nicht, wenn man sie mir im Vorbeigehen stellt.
Eine ehrliche Antwort braucht oft mehr als zwei Sekunden,
und einen geschützten Raum.
Auch passt nicht immer die Situation;
und schon gar nicht darf jede Person Einblicke in mein Herz erhalten.
Heute begrüßte mich eine Nachbarin mit besagter Frage.
„Solange ich Jesus an meiner Seite sehe, geht es mir gut.“
Mein Zimmer aufräumen? Als Kind hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich es mal gern tun würde. Ein einigermaßen geordneter Anblick ist mir heute wichtig. Zum Glück habe ich an dieser Stelle aber eine gewisse Toleranz, ansonsten würde ich ständig beschäftigt sein, und meinen Mann wegen der einzelnen Schraube aus dem Keller, seiner Plektrons und dem Kabelsalat auf der Küchenkommode andauernd nerven.
Dieser Art von Perfektionismus bin ich nicht erlegen.
Etwas schwerer fällt es mir in puncto Zeit.
Schon oft atmete ich innerlich tief durch, wenn mein Mann die Ruhe weghatte, um jemandem eine SMS zu schicken, die maximal eine Minute dauern würde, er dies aber erst übermorgen tut.
Geduld, nein, heitere Gelassenheit:
Dich lade ich ein!
Ich habe eine gute Freundin. Wenn sie mir etwas erzählt, unterstreicht sie es durch Tonfall, Mimik, und Gesten in einer einzigartigen Weise.
Ich höre ihr sehr gern zu. Die Geschichten wirken lebendig. Sie könnte eine gute Schauspielerin sein.
Theater, Musik, Poesie, Malerei …
Wenn der Innendruck zu stark wird, dann verleih ihm Ausdruck!
Heute ist mein freier Tag. Auf einem kurzen Spaziergang rings um das Viertel treffe ich auf vier bekannte Gesichter: Zwei kurze Gespräche mit Nachbarinnen, denen ich zwei Postkarten schenke. Dann treffe ich noch den Sohn einer Freundin. Er hat gerade seinen Schulabschluss gemacht. Ich frage ihn nach seinen beruflichen Plänen. Am Ende kommt mir noch ein Bekannter mit dem Rad entgegen; wir grüßen uns im Vorübergehen.
Schön ist es an einem Tag, wie diesem, Raum für Begegnungen zu haben, ohne Zeitdruck Gespräche zu führen, neue Sichtweisen kennenzulernen, mich an den Schönheiten des anderen zu erfreuen: Äußerlichkeiten, wie farblich gut abgestimmter Kleidung, oder auch die Art der Formulierungen, vielleicht ein besonderer Dialekt.
Im Anschluss gehe ich inspiriert weiter.
Welchen Eindruck hinterlässt wohl die Begegnung mit Gott in meinem Herzen?
Ich trage einen Rucksack auf meiner Lebenswanderschaft. Im Laufe der Jahre habe ich vieles hineingepackt. Erdrückend schwer wird er mir darum manchmal. Immer dann ist es Zeit eine Rast einzulegen und auszupacken, um festzustellen, dass ich das ein oder andere Proviant gar nicht brauche, und getrost entsorgen kann.
Manchmal fällt es mir schwer, die kleinen selbstgewählten Lasten loszulassen.
Ich habe mich an sie gewöhnt; sie geben mir vielleicht auch Sicherheit ?!
Mein Blick fällt auf Dich, und Deine Hand:
sie bietet mir an beim Tragen zu helfen.
Eigentlich weiß ich schon lange, dass ich Dir meinen Rucksack vorbehaltlos übergeben könnte, doch ganz getraue ich es mir wohl noch nicht.
Wobei … rückblickend habe ich es nie bereut, hatte ich entschieden,
abzugeben, loszulassen. Meine Schritte und mein Herz wurden stets leichter.
—
Ich bin mir nicht sicher wohin, und wie es weitergehen wird.
Nur eines ist gewiss: Du bleibst an meiner Seite, und ich an Deiner Hand.